Das Forderungspapier

Klimaschutz durch Nachhaltige Lebensstile

Forderungspapier an die Landes- und Kommunalpolitik für die 20. Legislaturperiode der Bremischen Bürgerschaft 2019 bis 2022

Um die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und somit die Folgen des risikoreichen Klimawandels abzumildern, ist eine drastische Senkung der globalen Treibhausgas- Emissionen notwendig. Die gebotene Dringlichkeit wurde zuletzt im Oktober 2018 durch den  Sonderbericht zur Globalen Erwärmung des IPCC hervorgehoben. Das Land Bremen hat sich für
weitreichende Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen ausgesprochen, ist jedoch noch weit von der eigenen Zielsetzung entfernt (vgl. Endbericht Energie- und Klimaschutzszenarien für das Land Bremen, Aktualisierung mit Zeithorizont 2020, Prognos, 2017).
Bremens Klimaziele können nicht ohne ein Umdenken und das Mitwirken der Bürger_innen vor Ort umgesetzt werden. Daher ist es nötig, die bisherigen vor allem technisch ausgerichteten Ansätze des Landes Bremens zu ergänzen. Eine erfolgreiche Klimaschutzstrategie Bremens muss auch gesellschaftliche Fragen berücksichtigen und insgesamt auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein. Die von Bremen unterzeichneten Ziele für nachhaltige Entwicklung können hier als Leitfaden dienen (vgl. 17 Ziele für eine bessere Welt, Die Bevollmächtigte beim Bund, für Europa und Entwicklungszusammenarbeit - insbesondere Ziel 11: „Nachhaltige Städte und Gemeinden“, Ziel 12: „Nachhaltige_r Konsum und Produktion“ und Ziel 13: „Maßnahmen zum Klimaschutz“).

Nachhaltige Lebensstile vor Ort etablieren
Um nachhaltige Lebensstile zu etablieren, bedarf es diverser Ansätze und Handlungsoptionen, um die Bremer_innen in ihrem persönlichen Wohnumfeld und ihrer individuellen Lebenssituation zu erreichen. Dieser Ansatz wird bereits von zahlreichen Initiativen in Bremen verfolgt. Besonders herauszustellen ist der Erfolg Bremens, gleich elf Nachbarschafts-Klimaschutzprojekte von bundesweit 111 Projekten zu beherbergen, die aktuell durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und nukleare Sicherheit für maximal zwei Jahre gefördert werden (Kurze Wege für den Klimaschutz).
Die Projekte bieten Bürger_innen vor Ort die Möglichkeit zur Partizipation und Bildung sowie
alltagsbezogene und praxisnahe Möglichkeiten zur Einsparung von Treibhausgasen. Hierbei werden Effizienz, Effektivität und Suffizienz in ihrem Zusammenspiel beachtet. Neue Verhaltensmuster werden kennengelernt und ausprobiert und können so in klimafreundlichere Alltagsroutinen übergehen.
Die Klimaschutzprojekte leisten beratende Tätigkeit, ermöglichen Austausch und formen ein stadtteilübergreifendes Netzwerk. Sie adressieren ein breites Publikum durch ihre Themenvielfalt, die von Energie, Mobilität, Müllvermeidung, Nutzungsverhalten und Nutzungsdauerverlängerung, Ernährung und Landwirtschaft bis hin zum Wissen um Klimawandel und Klimaanpassungsmaßnahmen reicht. Dies geschieht durch diverse Formate wie Workshops, Vorträge, Aktionstage, Mitmach-Angebote, oder Formen der nachbarschaftlichen Unterstützung durch z.B. Reparatur Cafés, offene Gärten u.v.m.. Die Projekte richten sich an alle Altersgruppen im Quartier und erreichen durch ihre breite inhaltliche Aufstellung eine Vielzahl an Zielgruppen. So werden mit wenigen Ressourcen spürbare Veränderungen erzielt.

Die in den Projekten erarbeiteten Handlungsstrategien werden von den Bürger_innen mit- und
weiterentwickelt und somit nachhaltig getragen. Zusätzlich leisten die Projekte durch ihr hohes
Maß an Beteiligungsmöglichkeiten einen Beitrag zur Demokratieförderung.

Um die nun in einigen Stadtteilen begonnene erfolgreiche Arbeit weiterzuführen und auszubauen, ist es notwendig, eine langfristige Finanzierung für die nachbarschaftliche Klimaschutzarbeit zur Verfügung zu stellen. Die gerade entstehenden Strukturen müssen etabliert und verstetigt werden, um einen dauerhaften Einfluss auf die Lebensstile im Stadtteil hin zu mehr Nachhaltigkeit zu gewährleisten und die Reichweite der Projekte zu erweitern.

Wir fordern daher das Themenfeld ‚Nachhaltige Lebensstile‘ im nächsten Koalitionsvertrag wie
folgt zu berücksichtigen:
  • Jeder Stadtteil bedarf mindestens einer Personalstelle in Vollzeit für die Koordination der nachbarschaftlichen Klimaschutzaktivitäten und zur Etablierung nachhaltiger Lebensstile.
  • Jeder Stadtteil benötigt geeignete Räumlichkeiten und Freiflächen für diese Klimaschutzaktivitäten. Für diese müssen langfristig Mieten, Pacht und Nebenkosten gesichert sein.
  • Stelle und Räumlichkeiten inklusive Freiflächen müssen jeweils an die besonderen Gegebenheiten eines Stadtteils angepasst sein. Dafür können bereits vorhandene Strukturen genutzt werden.
  • Für Aktivitäten sind Budgets zur Verfügung zu stellen (Materialien, Honorargelder für Bildungsangebote, Lebensmittel etc.).
  • Die Akteur_innen müssen vernetzt sein, um Doppelarbeiten zu vermeiden und Synergieeffekte zu nutzen. Eine Koordinierungsstelle in der senatorischen Dienststelle stellt dies sicher. Diese soll auch über die Grund-/Basisfinanzierung hinaus Fördermöglichkeiten recherchieren und die Akteur_innen in den Stadtteilen bei der Antragsstellung unterstützen.
Klimaschutz geht uns alle an. Jede_r Einzelne kann einen Beitrag zur Verlangsamung der Klimaerwärmung und einer Abmilderung derer Folgen leisten. Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen werden die Bremer_innen aktiv in den Prozess mit eingebunden und tragen durch ihre Lebensstiländerung nachhaltig und wesentlich zum Klimaschutz bei. Wir plädieren dafür, dass die vorgestellten Schritte zukünftig im Bundesland Bremen umgesetzt werden.